Tut das weh?

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"Die meisten werden vor Schmerzen bewußtlos, wenn sie nicht rechtzeitig aufspringen und davonlaufen" antworte ich dann meistens mit mehr oder weniger breitem Grinsen.

 
Subjektives Empfinden
 Aber wie weh tut es denn nun wirklich? Schmerz spielt sich vor allem im Kopf ab. Viele erwarten das Schlimmste und sind dann ganz überrascht, daß es doch nicht so fürchterlich ist. Das sind diejenigen, bei denen die Entscheidung für ein Tattoo lange gereift ist und die bereit sind, dafür auch physische Unbill in Kauf zu nehmen. Auf der anderen Seite krümmt und windet sich so mancher Held, gerade so, als ob die Tattoonadeln im Muskelfleisch wühlten.
 
Natürlich ist das individuelle Schmerzempfinden stark unterschiedlich; mehr als ein, zugegebenermaßen, reichlich unangenehmes Kratzen wird jedoch kaum jemand verspüren, dessen Tattoo eine bestimmte Größe nicht überschreitet.
 
Drogen und Alkohol wirken sich kontraproduktiv aus!
 
Das ist natürlich anders bei den Schlaumeiern, die sich dem erwarteteten Schmerz durch Einnahme bewußtseinserweiternder Produkte oder Inhalieren von Kräutern zu entziehen versuchen. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Von der Gefahr eines Kreislaufkollaps abgesehen, erhöht sich normalerweise die Empfindlichkeit der Nerven. Also: noch mehr »Autsch«!
 
Alkoholgenuß führt wegen der Erweiterung der Blutgefäße zu starker Blutung und zum baldigen Abbruch der Tätowierung durch den verantwortungsbewußten Tätowierer - so er sie denn überhaupt in Angriff genommen hat.
 
 
Das Schlimmste kommt zuerst!
Relativ einstimmig wird behauptet, daß die Outlines schmerzhafter sind als Schattierungen oder Füllarbeiten. Ist ja immerhin tröstlich, daß das Schlimmste am Anfang kommt und alles andere danach halb so wild ist!
 
Die Stelle, an der die Tätowierung auf dem Körper angebracht wird, ist meiner Meinung nach nicht so entscheidend. Die Frage der Plazierung sollte sowieso anderen Kriterien unterliegen. Aussagen darüber, wo's denn nun wie weh tut, gehen weit auseinander und werden oft von denen gemacht, die dort überhaupt nicht tätowiert sind. Befragt man unsere total zugeinkten Brüder und Schwestern, hilft das auch nicht weiter, weil die über einen langen Zeitraum verteilten Erfahrungen in der Erinnerung verschwimmen, zudem beeinflussen unzählige Faktoren die physische und psychische Verfassung des Opfers.
 
Verlauf der Tattoo-Sitzung
Ein wichtiger Faktor erscheinen mir der Verlauf und die Dauer einer Sitzung zu sein. Nach einer anfänglichen Periode der Eingewöhnung findet sich der Körper normalerweise mit dem Angriff auf seine Oberfläche ab. Die Anspannung läßt nach und beginnt der baldigen Fertigstellung des wunderbaren Endprodukts entgegenzufiebern. Dieser Zustand hält im Idealfall vielleicht ein paar Stunden an, bis die freudige Erregung zunehmender Verkrampfung weicht und die Zigarettenpausen häufiger und länger werden.
 
Jeder, der schon mal die Erfahrung einer mehr als drei- bis vierstündigen Sitzung machen durfte, wird mir beipflichten, daß nun die Zeit gekommen ist, die Zähne zusammenzubeißen. Schmerzmittel helfen auch nicht, da sie die Ermüdung nur noch beschleunigen
 
Irgendwann kommt man zur Einsicht, daß das Tribalstück auch ohne Füllung ganz gut aussieht und schwört, nie mehr wieder zukommen. Ein paar Wochen später steht man dann wieder auf der Matte, weil das Teil in Schwarz doch einfach besser kommt und außerdem die Sucht stärker ist als der gesunde Menschenverstand, der für den Erhalt einer natürlichen Hautfarbe plädiert.
 
Gewarnt sei vor der Suchtgefahr!
Die meisten Kunden jedoch, die der Virus noch nicht endgültig gepackt hat, bleiben innerhalb der zweiten, der euphorischen Phase, und werden für die Überwindung ihrer Ängste mit einer vollständigen Tätowierung belohnt. Wer sich von der Erwartung etwaiger Schmerzen abschrecken läßt, hat den Entschluß, sich tätowieren zu lassen, ohnehin nicht reiflich durchdacht und sollte es lieber bleiben lassen. Der Schmerz ist schnell vergessen, die Freude an der Tätowierung bleibt, im Idealfall für immer.